Am 13.09. demonstrieren Pflegekräfte vor dem Landtag

Am 13.09.2014 wollen professionell Pflegende in Düsseldorf, vor dem Landtag NRW demonstrieren.
Aber warum sollte das etwas besonderes sein?
Zu Streiken und zu Demonstrieren ist in unserem gesellschaftlichen Selbstverständnis ein normaler Weg, sich als Interessengruppe oder Berufsstand Gehör zu verschaffen. Kennen wir doch alle die großen Streiks von Verdi, wenn unser Müll nicht abgeholt wird oder die Busse nicht fahren. Die Streiks der Metallbauer und Chemiekanten, wenn tausende Kolleginnen und Kollegen auf den Straßen die Fahnen schwenken.
Wann aber haben wir schon einmal Pflegende, also Altenpflegerinnen und Pfleger, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und Pfleger, als auch die Mitglieder der zahlreichen Hilfsqualifizierungen in diesem Bereich auf der Straße gesehen?
Eher selten, denn nur die wenigen privilegierten die einen Vertrag mit einem kommunalen Arbeitgeber oder im Fall von Universitätskliniken einem Land als Arbeitgeber haben, kennen das Recht zu streiken überhaupt.
Die deutsche Pflege ist, obwohl sie der größte Berufsstand ist, so unpolitisch wie kein anderer. Dies erklärt sich vor allem im Westen durch die lange Dominanz der Kirchen, als Träger von Krankenhäusern, Altenpflegeheimen und ambulanten Pflegediensten. Durch die Philosophie des dienenden und sich aufopfernden Berufes und dem kirchlichen Arbeitsrecht, dass zum Beispiel das Streikrecht verweigert, wurde dieser Berufsstand zum Opferlamm das er heute ist.
Man darf zu Facebook, Twitter und Co. eine geteilte und auch ablehnende Meinung einnehmen, doch aus diesen Kanälen heraus entwickelt sich ein bisher nicht bekanntes politisches Selbstbewusstsein der Pflegenden. Pflege am Boden etablierte sich dort nach und nach. In immer mehr Städten in Deutschland legten sich Pflegende in die Fußgängerzonen, um als Mahnwache auf die schlechten Arbeitsbedingungen und die Gefährdung der Patienten aufmerksam zu machen. Aus dieser am Anfang sehr kleinen Bewegung, hat sich eine bisher unbekannte Politisierung der Pflege voran getrieben.
Zahlreiche Studien belegen den schlechten Zustand in dem sich die professionelle Pflege befindet, doch getan wird wenig. Durch Personalabbau sind in mehr als 15 Jahren ca. 50.000 für examinierte Pflegekräfte weggefallen. Alleine in den letzten zehn Jahren waren es rund 12.000 Stellen. Studien wie die NEXT Studie und die RN4Cast Studie, belegen den schlechten Zustand der deutschen Pflegenden. Die Überlastung, den schlechten Ausbildungsstand aber auch die schlechte Versorgung der Patienten. In kaum einem anderen Land müssen Pflegekräfte mehr Patienten alleine versorgen. Die bisherigen Landes- wie auch Bundesregierungen, haben es verpasst professionelle examinierte Pflege zu fördern und sie damit dem Profitstreben großer Akteure am Gesundheitsmarkt zum Fraß vor geworfen.
Man glaubte der Personalflucht aus der Pflege damit begegnen zu können, examiniertes Pflegepersonal aus Asien und Südeuropa zu werben. Die Erfahrung aber zeigte, dass diese oft mit Studienabschlüssen qualifizierten Krankenschwestern und Pfleger das Pflegenotstandsgebiet Deutschland schnell wieder verlassen haben. Wen wundert es, bei den hier vorherrschenden Bedingungen.
Nun also stehen wir auf unseren Beinen und Demonstrieren, legen uns auf den Boden um Aufmerksamkeit zu erlangen. Unsere Forderungen sind einfache: gesetzliche Mindestpersonalschlüssel, gute Bezahlung, rechtliche Sicherheit, faire Arbeitszeiten, gleiches Arbeitsrecht für alle. Einfache Forderungen, die sich im Detail auch erweitern lassen.
Ich werde dort sein am 13.09.2014 in Düsseldorf um am ersten landesweiten Aktionstag „Pflege am Boden“, mit meinen Kolleginnen und Kollegen zusammen ein weiteres Zeichen zu setzen. Aufgerufen sind aber auch alle anderen Menschen uns zu unterstützen. Eins ist sicher, jeder von Euch wird einmal von uns gepflegt, ob im Krankenhaus, Altenheim oder Zuhause. Auch eine private Versicherung wird Euch nicht vor den Fehlern schützen die wir machen, wenn wir wieder 10-15 Patienten am Stück versorgt haben und nun die Tabletten verwechseln. Gute Pflege für die Zukunft wieder zu ermöglichen, muss also im Interesse von uns allen liegen.
Thomas Weijers

Gesundheits- und Krankenpfleger

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