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Angst essen Seele auf

Ein persönlicher Kommentar

Die Duisburger Lehrerin und Autorin Lamya Kaddor erhält seit der Veröffentlichung ihres Buches „Die Zerreißprobe. Wie die Angst vor dem Fremden unsere Demokratie bedroht“ Morddrohungen aus dem rechten Spektrum. Mittlerweile hat sich die Lehrerin aus Sicherheitsgründen von der Bezirksregierung bis zu den Sommerferien 2017 beurlauben lassen. Die Medien berichten ausführlich.

In unserer Gesellschaft soll man sich über literarische Werke durchaus eine eigene Meinung bilden. Ob zustimmend oder ablehnend bleibt dabei unbenommen. Diese Meinung darf auch öffentlich verbreitet werden. Die akzeptierte Spannbreite reicht dabei von einer fundierten Exegese mit Verweisen auf Sekundärliteratur bis hin zu „…das ist doch gedruckte Scheiße!“. Ganz nach Temperament und persönlicher Ausdrucksfähigkeit der meinungsbildenden Person.

Morddrohungen gegen Autoren jedoch sind definitiv inakzeptabel!

Der oder die Bedroher begeben sich auf Positionen außerhalb des Rechtssystems und damit außerhalb unserer Gesellschaft. Sie wollen nicht mehr dazu gehören. Sie sind nicht mehr willens und/oder fähig, ihre Werte und Standpunkte im öffentlichen Diskurs zu behaupten. Was passiert, wenn in einer Gesellschaft Gewalt zum Hauptargument wird, kann man in jedem Geschichtsbuch nachlesen.

Der Verfasser dieser Zeilen kennt weder die Autorin persönlich noch den Inhalt ihres Buches. Das Werk von Lamya Kaddor hat jedoch einen sprechenden Titel. Es geht also um die Angst vor fremden Menschen. Fremde Menschen, diese Urangst aus dem archaische Sektor unseres Gehirns. Dabei sind fremde Menschen um uns herum Normalität.

Wer kennt schon den Alltag und die Ansichten aller Menschen, mit denen er im Mietshaus unter einem Dach lebt? Wer kennt das Leben der Menschen, die am Ende der Straße wohnen? Was weiß der Rheinländer über die Lebensart der Menschen in der Oberlausitz? Wenn der Bewohner einer Hallig im nordfriesischen Wattenmeer aus purer Abenteuerlust für zwei Wochen mit einem Einwohner von Garmisch-Partenkirchen die Wohnung tauscht, werden sich beide für den Anfang wie auf einem fremden Planeten fühlen.

Das waren nur Beispiele für Fremde im eigenen Land. Jenseits der Grenzen geht es erst richtig los. Ausland, jede Menge davon. Der ganze Globus ist voller Ausland. Und Ausländer. Mit fremden Sprachen, seltsamer Kleidung, eigenartiger Musik und was sie dort in den Kochtopf legen, besichtigt man hierzulande vielleicht im botanischen Garten oder im Zoo.

Die Fremden sind eindeutig in der Überzahl. Hier und im Ausland. Daran wird sich auch nichts ändern, weder kurz- noch langfristig. Es sei denn, man beginnt wieder ernsthaft darüber zu diskutieren, wie die Welt am deutschen Wesen genesen kann. Der letzte Versuch jedenfalls ging schwer daneben. Doch die letzten Zeitzeugen sterben langsam aus. Da könnte man sich ja wieder blöd stellen und einen neuen Anlauf wagen.

Wir alle sind Fremde. Außerhalb der eigenen Familie und dem Kreis unserer Freunde sind wir nur „die da“ oder „der da“. Angst vor dem Fremden oder Hass aus Furcht vor der Angst sind keine guten Ratgeber. Nirgendwo.

„Angst essen Seele auf“ ist der Titel eines Films von Rainer-Werner Fassbinder aus dem Jahr 1974. Er erzählt die Geschichte einer verwitweten Putzfrau über 60, die einen zwanzig Jahre jüngeren Marokkaner kennenlernt und heiratet. Die Liebe der beiden droht am Unverständnis und an der Fremdenfeindlichkeit ihrer Umwelt zu scheitern.

Artikel in der Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Angst_essen_Seele_auf

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Hinweis: Dieser Beitrag ist lediglich ein Informationsangebot und keine offizielle Aussage der Piratenpartei Deutschland oder des Kreisverbandes Duisburg.

Ein Kommentar

  1. 1

    Ein persönlicher Kommentar an den „Verfasser dieser Zeilen“ … „die lediglich ein Informationsangebot und keine offizielle Aussage der Piratenpartei Deutschland oder des Kreisverbandes Duisburg“ darstellen.

    Vielen, vielen Dank, lieber Siegfried. Ich sagte es Dir bereits.

    Die Conclusio:

    „Wir alle sind Fremde. Außerhalb der eigenen Familie und dem Kreis unserer Freunde sind wir nur „die da“ oder „der da“. Angst vor dem Fremden oder Hass aus Furcht vor der Angst sind keine guten Ratgeber. Nirgendwo.!“

    supporte/like/fave (sagt man so, wenn man etwas [ungeachtet des Genitivs 😉 ] 100 v.H. richtig findet?) ich hiermit.

    Weil:

    „Alles Gescheite mag schon siebenmal gedacht worden sein.
    Aber wenn es wieder gedacht wurde, in anderer Zeit und Lage,
    war es nicht mehr dasselbe.
    Nicht nur dein Denken, sondern vor allem das zu Bedenkende
    hat sich unterdes geändert.“
    Ernst Bloch (1885 – 1977)

    Verdammte Hacke, Ihr da! Lasst lasst uns endlich wieder ein offenes, piratiges Diskussionsforum (Mailing-Liste) schaffen. Wir brauchen die freie Diskussion und die Möglichkeit, eine überlegte, klare Standortbestimmung – u.a bzgl. o.g. Gedanken; u.zw. nicht nur in 140 Zchn.- zu treffen.

    Otherwise we’ll (all) be grabbed by the pussy.

    LG

    Michael Ke

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