Protestaktion der Bauwagenbewohner; Bild: Privat

Bauwagenplatz – Studie zum „Wohnen ohne Fundament“

Fred Walt, Sprecher des Vereins „Experimentelles Wohnen e.V.“ und Bewohner der Bauwagensiedlung in Duisburg-Homberg, hat eine weitere wissentschaftliche Studie über das Leben im Bauwagen ausgewertet.

Die Studie stammt aus dem Jahr 2000 und wurde am Fachbereich Stadt- und Landschaftsplanung der Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) erstellt. Nachfolgend die Pressemitteilung von Fred Walt im Wortlaut.

+ + + + + Pressemitteilung + + + + +

20. Pressemitteilung                                               Duisburg, 11.6.2015

Zusammenfassung der wissenschaftlichen Arbeit von Annika Schönfeld & Tobias Pralle [2000]:

Wohnen ohne Fundament

Handlungsmöglichkeiten von Politik und Stadtplanung im Umgang mit Wagenplätzen

Studienarbeit im Fachbereich Stadt- und Landschaftsplanung der Universität Gesamthochschule Kassel

Als Gründe im Wagen zu leben nennen die Autoren Schönfeld und Pralle: Naturnähe, geringe Bodenversiegelung, eigene Kompostierung, Verwendung von ökologischen Baumaterialien und Solaranlagen, sparsamer Umgang mit Wasser.

Die Entscheidungen innerhalb der Bauwagengemeinschaft würden nach dem Konsensprinzip getroffen.

Im Kapitel 4.1. Aufgaben der Politik schreiben die Autoren, das die Stadt versuchen sollte, die Interessen aller ihrer Bürger gerecht zu werden. Weiter unten heißt es:

“Eine Politik des sozialen Ausgleichs drückt sich auch in der Bodenpolitik aus. Milieuschutzsatzungen, öffentlich geförderter Wohnungsbau, Flächen für Kleingärten und Eigenheimförderungen machen deutlich, dass es Möglichkeiten gibt, die Bodennutzung nicht nur vom Immobilienmarkt lenken zu lassen.“ (S.17)

Bei der Ver- und Entsorgung plädieren Schönfeld und Pralle für alternative Lösungen, die den Ansprüchen und finanziellen Mitteln der Bewohner entsprechen, wie zum Bleistift Solarmodule. Geringe Abwassermengen könnten bei Verwendung ökologisch abbaubarer Waschsubstanzen direkt versickert werden. Beide Autoren resümieren:

„Die Legalisierung von Wagenplätzen ist in erster Linie kein baurechtliches Problem, sondern die Frage des politischen Willens und der Frage wie Mehrheiten mit den Wünschen von Minderheiten umgehen wollen…“

„Es besteht eine Diskrepanz im Umgang der Öffentlichkeit und der Städte mit Wagenplätzen im Vergleich zu Dauercampern und Kleingärtnern…“

„Insbesondere unter Berücksichtigung der geringen Anzahl der Menschen, die im Wagen wohnen oder dieses wünschen, sollte die Legalisierung dieser Wohnform in einer demokratischen Gesellschaft realisierbar sein.“ (S.42)

Experimentelles Wohnen e.V.

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Die Studiearbeit der Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) steht im Internet zum kostenlosen Nachlesen bereit: Wohnen ohne Fundament

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