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Das Kreuz mit der Religion in den Schulen

Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes NRW sowie stellv. Ministerpräsidentin ebenda, überreichte am 03. Juni 2016 der NRW-Landtagspräsidentin Carina Gödecke ein Dokument, dessen Begleittext sie mit der folgenden Einleitung begann:

„Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin, liebe Carina, mit großer Freude darf ich Ihnen von  einem bundesweit einmaligen Ereignis berichten.“

Was hatte die große Freude ausgelöst? Am 31. Mai traffen sich im Düsseldorfer Landtag die Vertreter aller sieben Religions- und Glaubensgemeinschaften, für die in NRW konfessioneller Religionsunterricht angeboten wird. Heraus kam eine „Gemeinsame Erklärung“ zur Bedeutung des Religionsunterrichts an den Schulen. Unterzeichnet wurde die Erklärung von:

  • Hans-Josef Becker, Erzbischof des Erzbistums Paderborn, für die katholischen (Erz-) Bistümer in  Nordrhein-Westfalen
  • Dr. h.c. Augoustinos von Deutschland, Metropolit und Erzbischof, für die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland
  • Mor Philoxenus Mattias Nayiś, Erzbischof der syrisch-orthodoxen Kirche von Deutschland
  • Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, für die Evangelischen Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen
  • Dr. Oded Horowitz für die Jüdischen Landesverbände
  • Mehmet Soyhun, Vorsitzender des Beirats für den Islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen
  • Aziz Aslandemir, stellvertretender Bundesvorsitzender der Alevitischen Gemeinde Deutschlands
  • Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung in NRW

Geballte religiös-politische Macht trifft sich bei Kaffee und Gebäck und unsere Schulministerin ist mittendrin. Ist das ein Problem? Ja, ist es! Denn im Begleittext und in der Erklärung selber gelingt der Ministerin und den Religionsvertretern in wohlformulierten Sätzen und mit betont sachlichem Duktus ein formidabler PR-Stunt.

Gerne würde ich an dieser Stelle eine knackige Zusammenfassung liefern. Doch beinahe jeder Satz in dieser knapp zweieinhalb Seiten langen Erklärung irritiert zutiefst und provoziert eine Gegenrede. Man liest den Text, schüttelt sich und liest ihn gleich noch einmal. Wenn Sie also zu den Menschen gehören, die Religion und speziell den Religionsunterricht an Schulen für einen ausgemachten (hier ein Kraftwort Ihrer Wahl einfügen) halten, dann gönnen Sie sich dieses besondere Lesevergnügen [1].

Das schlimmste an dieser gemeinsamen Erklärung ist die Gewissheit, dass unsere Kinder in den Schulen tatsächlich dieser religiösen Indoktrinierung ausgesetzt werden. Durch ihre Unterschrift hat sich die NRW-Schulministerin damit einverstanden erklärt. Sylvia Löhrmann hat „mit großer Freude“ zugestimmt, dass sich die Politik des Landes NRW weiterhin zum Erfüllungsgehilfen eines archaischen und geozentrischen Weltbildes macht.

Willkommen im Jahr 13.800.000.000 nach dem Urknall!

Quelle:

[1] Gemeinsame Erklärung mit Einleitung der Ministerin [PDF)

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Hinweis: Dieser Beitrag ist lediglich ein Informationsangebot und keine offizielle Aussage der Piratenpartei Deutschland oder des Kreisverbandes Duisburg.

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