Geldverbrennung CC0 Public Domain; Grafik: Pezibaer / Pixabay

Der Ausverkauf des Einzelhandels in der Duisburger City

Ein Gastbeitrag von Christian Sprenger und Siegfried Seifert

Am 1. Februar werden SPD und CDU im Rat der Stadt Duisburg den Grundsatzbeschluss für die Planung eines Designer-Outlet-Centers (DOC) auf dem Gelände der Duisburger Freiheit auf den Weg bringen. Damit besiegeln sie den langsamen Tod des Einzelhandels in der Innenstadt. Denn für die Erkenntnis, dass dieses Outlet Center die Innenstadt massiv schwächen wird, muss man kein Hellseher sein.

Das Duisburger DOC soll das größte seiner Art in Deutschland werden. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Kleidung, wie es der Name suggeriert. Die geplanten 3000 Parkplätze und bis zu 175 Geschäfte des DOC werden keine Ergänzung zum Angebot der Innenstadt sein. In einem Artikel auf „RP Online“ [1] vom 25. Januar wurde die folgende Sortimentsliste zitiert:
Bekleidung, Schuhe, Lederwaren, Sportartikel, Glas, Porzellan, Keramik, Hausrat, Wohnungseinrichtungsbedarf, Uhren, Schmuck, Spielwaren, Haus-, Bett- und Tischwäsche sowie Sonstiges.“

Vor allem der Punkt „Sonstiges“ lässt viel Spielraum für Erweiterungen. Outlet-Center dieser Art bieten zum Beispiel stets auch ein breites gastronomisches Angebot. Mit diesem Sortiment wird das Duisburger DOC ein zweites Zentrum bilden. Ähnlich wie die „Neue Mitte“ in Oberhausen mit seinem CentrO. Mit allen bekannten Folgen.

Zur Erinnerung: Die Planungen für das einstmals auf dem Gelände vorgesehene Einkaufszentrum „MultiCasa“ wurde aus Furcht vor diesen Folgen im Jahr 2005 gestoppt. Alles vergessen?

Für Ratsfrau Britta Söntgerath (PIRATEN) ist dieser Grundsatzbeschluss untragbar:
„In diesem Beschluss wird eine Verbindung des DOC mit der Innenstadt angedeutet. Konkrete Vorschläge? Fehlanzeige. Ein simples Hinweisschild ‚Innenstadt’ und ein Fußweg werden nicht reichen, um die Besucher des Outlets für einen Bummel über die Königstraße zu erwärmen. Welcher Kunde nimmt ohne guten Grund über 1.000 Meter Fußweg in Kauf, wenn er alles an einem Ort kaufen kann?“

Diesem Beschluss mangelt es eindeutig an einem schlüssigen Konzept. Jetzt kommt es mehr denn je darauf an, dass die Duisburger Innenstadt so attraktiv wie möglich gestaltet wird. Noch immer steht die Idee des Stadtplaners Walter Brune im Raum, die zahlreichen Leerstände in der City für ein Outlet mit verteilten Stores zu nutzen.

Das Konzept ist mit dem DOC nicht hinfällig, es muss nur modifiziert werden. Welche Hersteller können gewonnen werden, ihre Outlet-Stores in der Duisburger Innenstadt zu eröffnen? Denkbar wären beispielsweise Lagerverkäufe von Katjes oder Haribo. Wie können kostenlose Parkplätze diese Entwicklung unterstützen? Jetzt sind Ideen gefragt.

Für die Duisburgerinnen und Duisburger haben SPD und CDU im Übrigen nur die Rolle der Statisten vorgesehen. In dem elfseitigen Grundsatzbeschluss wird die Beteiligung der Öffentlichkeit nur an einer Stelle erwähnt – auf Seite elf. Die Beteiligung der Öffentlichkeit ist zwar grundsätzlich möglich, jedoch keineswegs verpflichtend. Aus Sicht der Piratenpartei Duisburg ist eine echte Bürgerbeteiligung unumgänglich. Bei Entscheidungen von derartiger Tragweite und Konsequenzen über die Innenstadt hinaus, darf nicht über die Köpfe der Bürger hinaus abgestimmt werden.
Nicht nur die Duisburgerinnen und Duisburger, sondern auch die kleineren, demokratisch gewählten Parteien im Rat sind vom Informationstrog der Medien abhängig. Anstatt den Dialog mit den Parteien zu suchen, gehen SPD und CDU auf Distanz.

Dabei müssen alle ins Boot geholt werden: Bürgerinnen und Bürger, der Einzelhandel und die Politik. Passiert das nicht, wird es mutmaßlich bei einem Schild und einem Gehweg bleiben und die Innenstadt kann schauen, wo sie bleibt.

Quellen:
[1] DOC: andere Angebote als in der City
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duisburg/doc-andere-angebote-als-in-der-city-aid-1.6556716

Was denkst du?

Captcha * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.