Die Frau braucht keinen Regenschirm

Unter den Kommentaren zum Welt-Artikel, über die moep bereits berichtete, fiel mir einer besonders auf.
Mein „Lieblingscomment“ kam von „SPD-Mitglied“: „Meine Frau braucht keinen Regenschirm. Schon mal gesehen, dass es zwischen Bett und Herd regnet? Bei mir ist die Welt noch in Ordnung!“
Tja, das ist die Meinung nicht nur eines Menschen, immerhin wurde er von der Masse der Leser als top-bewertet. Man muss halt andere Meinungen tolerieren und respektieren.

Muss ich das wirklich?

Das Recht auf freie Meinungsäußerung mag zwar ein hohes Gut sein, doch muss sich jeder, der seine Meinung kundtut, auch der Konsequenzen bewusst sein. Und wer per se die Hälfte der Menschheit schlecht redet, der hat sich bei mir schon gleich mal den Ehren-Tor-der-Woche verdient.

Und der Name „SPD-Mitglied“ selbst ist auch fragwürdig. Ist die SPD jetzt auch für die Herdprämie? Werden Nahles, Drohsel und Co. jetzt rausgeworfen, weil sie nicht non-stop kochen? Und mit wem sollen die Grünen jetzt noch koalieren? Oder ist das einfach nur ein billiger Versuch von Union/FDP, dem „Erzfeind“ eins auszuwischen? Wenn ja, dann ist der Versuch gründlich misslungen, denn scheinbar fanden die Leser den Beitrag spitze.
Das Schreckliche ist nur, dass hier 100 Jahre Emanzipation, von der 3,5 Mrd. Menschen profitieren (sollten), plötzlich auf einen „historischen Unfall“ (sic!) reduziert werden, den es rückgängig zu machen gilt, nur weil einige Menschen ihr Ego an der Schwäche anderer aufbauen. Gib dem Menschen jemanden, auf dem er rumhacken kann, und er ist glücklich! Es ist traurig, dass die Menschen, gerade in dieser Hinsicht, nicht dazulernen möchten.

Doch was passiert? Kommt da jemand, und weist diese „Menschen“ in die Schranken? Nein, um sich gegen diesen „Unfall“ zu wehren, sucht man sich Gleichgesinnte und versammelt sie um sich. Man redet sich ein, was für ein toller Mann man doch sei, und warum Frauen einen niemals erreichen können. Doch dabei vergisst man, in dem Gegenüber ein denkendes und fühlendes Wesen zu erkennen. Man(n) vergisst, Mensch zu sein!

7 Kommentare

  1. 1

    Wann ist ein Mann einen Euro wert? Wenn der Eierpreis auf 50 Cent steigt.
    Und nun?

    Der Witz ist mindestens genauso alt und unlustig, wie der oben genannte. Meiner Erinnerung nach wurden beide gerne in den 80ern von Vokuhila-Schnauzbartträgern und deren Partnerinnen erzählt, waren schon damals nicht lustig. Trotzdem gab es ein gelangweilt dahin gemurmeltes „Haha, toll“ als Reaktion.

    Haben wir nichts besseres zu tun als uns über schlechte Witze in irgendwelchen Kommentaren aufzuregen? Ich sehe nicht, dass damit ein aufstrebender Frauenhass oder wachsende Diskriminierung droht. Die Vokuhila-Schnauzer von einst sind einfach noch nicht gestorben. Und in manchen Berufsgruppen werden sie auch an die nächste Generation weitergegeben. Das sind meiner Erfahrung nach Branchen mit einem Frauenanteil gleich 0, die keine übermäßige Intelligenzleistungen erfordern… Baugewerbe, Lagerarbeiter, z.T. auch Fernfahrer, dort kenne ich diesen Ton. Im ebenfalls nicht gerade mit Frauen übersäten IT-Bereich dagegen sieht das schon total anders aus. Dabei dürfte die „Gefahr“, von einer Frau überflügelt zu werden, hier viel größer sein als in körperlich schweren Berufen, wo das fast nie der Fall sein wird.

    Möglicherweise finden sich auch anders Männergruppen, in denen eine frauenfeindliche Stimmung herrscht. Häufig unter Männern, die sich im Scheidungskrieg, Sorgerechtsstreit etc. befinden. Dabei wird die Wut und Entäuschung über eine einzelne Person auf eine ganze Gruppe hochgerechnet. Echter Antifeminismus ist auch das nicht. Ebensowenig, wie in Frauenhäusern eine männerfeindliche Tendenz der Gesamtbevölkerung ermittelt werden könnte.

    Kritisiert lieber die Artikel selbst und verschwendet nicht so viel Energie auf Troll-Kommentare.

  2. 2

    Naja, ein einfacher Troll war es ja scheinbar nicht. In dem Forum waren eher diejenigen die Trolle, die PRO Emanzipation waren. Und welt-online ist an und für sich nicht automatisch mit Chauvinismus zu assoziieren.
    Es geht ja nicht nur darum, dass einer so nen Witz reißt. Sondern es ging halt auch darum, dass alle daneben standen und applaus geklatscht haben, da es eben NICHT ne Einzelmeinung war, die man da ausblenden kann. Lies es Dir einfach mal selbst durch, moep hat das mein ich verlinkt. Da kamen noch ne ganze Menge anderer Comments, die ähnlich waren. Da hatten sich ein paar Leute richtig an ihrem Chauvinismus aufgegeilt, anders kann mans nicht nennen.
    Es mag sein, dass man Emanzipation nicht durch Hyper-Feminismus erreicht – aber auf solche „Macho-Rudel“ sollte man mMn trotzdem reagieren.

  3. 3

    Es ist nicht so, dass jede Frau die Emanzipation befürworten würde, es gibt ebenso noch Frauen, die die klar getrennte Rollenverteilung bevorzugen. Dies ist allerdings auch von der Gesellschaft abhängig.

    Ich persönlich finde es negativ, sich hier anmaßen zu wollen, ein Urteil darüber abzugeben, dass entweder das eine oder das andere besser ist. Vielzuviele Menschen gehen immer davon aus, dass unser aktueller Zustand der beste und einzig richtige sei (Demokratie, Emanzipation). Woher wollen wir das denn wissen?

    Auch die klare Rollenverteilung hat ihre Vorteile, sorgt sie doch für familiäre Stabilität. Während der Mann sich auf dem Arbeitsmarkt herumschlägt, hat die Frau die Sorge für die Familie zu tragen. Ein wichtiger Faktor hierbei ist auch die Sorge um den Mann, wenn es diesem nach einem harten Arbeitstag nicht so gut geht. Wenn beide abends vom Arbeitstag erschöpft sind, dann muss man sich hier wieder andere Möglichkeiten suchen. Dies kann natürlich ebenso gut funktionieren. Vorteil an der Emanzipation wiederum ist, dass eine Frau auch arbeiten und Ziele erreichen kann.

    Ich halte es für falsch entweder das eine oder das andere zu befürworten, letztlich ist es doch eine Entscheidung jedes einzelnen Menschen. Wer meine Ansicht hier nicht versteht, sollte sich einmal mehr mit anderen Kulturen auseinandersetzen, denn auch eine homogene Staatsstruktur wie sie in China herrscht, hat ihre kulturelle Daseinsberechtigung und durchaus auch Vorteile, spiegelt sie doch den starken Wunsch von Harmonie statt ständiger Auseinandersetzungen wider.

  4. 4

    Also eigentlich stimme dem Artikel voll zu.
    Aber ich möchte doch nochmal darauf hinweisen, nicht „den“ Feminismus und Frauenrechte durcheinander zu werfen. Es dermaßen viel Unsinn der sich als Feministisch tituliert, dass das die Frauenrechte langfristig nur abwertet.
    Aber die Geschichte steht ja offensichtlich nicht still „der“ Maskulismus scheint sich zu bemühen entsprechend analoges mit Männerrechten zu versuchen.
    Das ist wohl der Fall wo sich Geschichte als Farce wiederholt.

  5. 5

    Wenn man schreibt „Es ist nicht so, dass jede Frau die Emanzipation befürworten würde, es gibt ebenso noch Frauen, die die klar getrennte Rollenverteilung bevorzugen“, dann muss man allerdings auch sehen dass der Tenor im Kommentarteil der Welt ein anderer war – es ging darum _allen_ Frauen diese Rollenverteilung zurückzuwünschen, ganz egal was die Frauen selber wollen. Das hat so gar nichts damit zu tun ob Eva Herman oder wer auch immer mit der Rolle als Heimchen am Herd zufrieden ist oder nicht, sondern ist nichts anderes als eine Bevormundung der Frauen in genau dieser Frage.
    Grundsätzlich kann ich einen Zustand nur dann als annähernd richtig akzeptieren wenn er den Menschen möglichst viel Raum zu ihrer persönlichen Entwicklung lässt. Das chinesische ‚Harmoniebedürfnis‘ ist z.B. in vielen Fällen nichts anderes als die praktizierte Unterdrückung andersdenkender (dass dieses Bedürfnis damit bestenfalls geheuchelt ist lassen wir mal dahingestellt).

  6. 6

    Ich bin gerade mit dem iPhone unterwegs. Man kann den Weblog hier gut darauf surfen.

  7. 7

    Ganz ehrlich? Im letzten Wahlkampf hingen die Plakate der Grünen, auf denen eine Frau zu sehen war. Darunter stand sinngemäß: „Frauen in Führungspositionen“. Ich bin seit inzwischen 15 Jahren im Berufsleben und habe noch NIE bewusst darüber nachgedacht, ob denn die Frau da vor mir ihren Job als Frau erfüllen könnte.

    Vielmehr habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine Frau dann in eine Chefposition aufsteigt, wenn sie fachlich geeignet ist – Bei Männern ist es übrigens genauso. DAS ist die Realität und nicht irgendwelche verkrampften (in jeder Hinsicht!) Frauenquoten!

    Ich hab aber bewusst an die Qualifikation der Frau vor mir gedacht, nachdem das Plakat mich mit der Nase darauf gestossen hat. Der Gedanke „Kannst du deinen Job oder bist du nur eine Quotenfrau“ schoss mir duch den Kopf, ob ich wollte oder nicht. Damit hat das Plakat, solange es hing, zumindest bei mir selbst das Gegenteil von dem erreicht, was es sollte. Die Gleichberechtigung ist längst in der Gesellschaft angekommen. Das wollen nur die Feministinnen nicht wahrhaben, sonst würde ihnen ja die Daseinsberechtigung wegfallen. Sie sehen in ihrem Wahn die Realität nicht, und kämpfen krampfhaft dafür, ihre Ansicht von „Normal“(Frauenquoten) einzusetzen.

    Ja, meine Güte, man reisst mal Witze, und die Feministinnen werden nie verhindern können, dass man(n) mal denkt „Frau am Steuer“. Dasselbe denken auch Frauen über Männer von Zeit zu Zeit. Und nu?

    Hatten doch die Anwesenden die Frechheit, zu lachen, und nicht – wie der Autor (oder die Autorin?) empört zu belehren. Sowas nennt man Humor – Ein Merkmal, dass Extremisten ALLER Art beim eigenen Standpunkt fehlt.

Was denkst du?

Captcha * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.