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Die Freiheit des Panoramas

Ein Beitrag von Christian Sprenger

In Nordrhein-Westfalen bricht gerade die zweite Woche der Sommerferien an. Vor allem die sozialen Netzwerke wie Facebook oder Instagram sind dabei ein herrlicher Chronist der Urlaubszeit: Hier ein Foto der Sagrada Família in Barcelona, dort eine Aufnahme vor dem Kolosseum in Rom.

Nach deutschem Recht stellen diese Aufnahmen auch kein Problem dar, sie fallen unter die sogenannte Panoramafreiheit. Hier dürfen öffentliche Gebäude und Skulpturen abgelichtet und die Aufnahmen später zu gewerblichen Zwecken genutzt werden.

Paragraph 59, Absatz 1 des deutschen Urheberrechtsgesetzes regelt den Umgang von Bildaufnahmen mit öffentlichen Gebäuden:

Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht.

In anderen europäischen Ländern sieht es allerdings ganz anders aus. Das Atomium in Brüssel und die Meerjungfrau in Kopenhagen sind urheberrechtlich geschützt. Auch ein Foto des Eiffelturms bei Nacht darf nach französischem Recht nicht gewerblich genutzt werden.

Arglosen Urlaubern droht nun eine böse Falle, wenn sie ihre Fotos zum Beispiel auf Facebook teilen wollen. Wer sich bei Facebook anmeldet und somit die Nutzungsbedingungen akzeptiert, räumt den Betreibern das Recht ein, die geposteten Fotos kommerziell zu verwerten. Vorab müsste daher immer geprüft werden, ob der Schnappschuss ein urheberrechtlich geschütztes Gebäude zeigt. Im schlimmsten Fall droht eine Abmahnung durch den oder die Rechteinhaber.

Unsere Piratin im Europaparlament, Julia Reda, hat einen Bericht [1] ausgearbeitet, der das Urheberrecht und damit die Panoramafreiheit in ganz Europa vereinheitlichen soll. Ihr Vorschlag lautet, die Abbildung von Werken, „die dauerhaft an öffentlichen Orten platziert sind“, zu erlauben. Dadurch würde endlich Klarheit geschaffen. Die Frage, ob man denn nun dieses oder jenes Gebäude guten Gewissens ablichten dürfe, wäre hinfällig.

Gegenwind bekommen Julia Reda und die Panoramafreiheit durch einen Änderungsantrag des französischen Abgeordneten Jean-Marie Cavada (Liberale). Dieser möchte die gewerbliche Nutzung von Fotografien und Videomaterial an die „vorherige Einwilligung der Urheber oder sonstigen Bevollmächtigten“ knüpfen. Für Julia Reda würde dies „Millionen von Europäerinnen und Europäerin in Konflikt mit dem Urheberrecht bringen.“ [2] Die Piratin steht mit dieser Sorge nicht alleine dar. Die Online-Petition Rettet die Panoramafreiheit [3} haben schon über 300.000 Menschen unterzeichnet. Tendenz steigend.

Am Donnerstag, dem 09. Juli 2015, entscheidet sich das Europaparlament für oder gegen eine Überarbeitung des Urheberrechtes. Spricht sich das Europaparlament dagegen aus, sollten auch Urlauber und Freizeitfotografen ganz genau prüfen, welche Fotos sie mit ihren Freunden in den sozialen Netzwerken oder anderen Foren teilen.

Die Piraten und allen voran Julia Reda haben ihre Hausaufgaben gemacht. Nun ist es an den anderen Parteien, sich endlich für einheitliche Regeln auszusprechen. Die Menschen in Europa würden es ihnen danken.

Quellen:

[1] Bericht von Julia Reda (PDF)
(Hinweis: Nach dem Download die Dateiendung manuell in pdf ändern.)

[3] Panoramafreiheit in Gefahr

[2]  Online-Petition: Rettet die Panoramafreiheit

 

 

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