Österreichs Hymne und das Urheberrecht

Die österreichische Sängerin Christina Stürmer muss mit einer Klage rechnen, weil sie die österreichische Hymne gesungen hat! Was sich anhört wie ein schlechter Scherz ist in Wirklichkeit der etwas dilettantische Versuch der österreichischen Regierung, den Text der eigenen Hymne der Emanzipationsbewegung anzupassen. Der Plan schien einfach: Man nehme eine international bekannte Sängerin und lasse sie eine Pop-Version der leicht umgetexten Hymne aufnehmen. Diese spiele man dann im Rahmen einer Bildungskampagne solange, bis sich keiner mehr daran erinnern kann, wie es einmal richtig hieß.
Das corpus delicti hierbei war diese Änderung: Anstatt „Heimat bist du großer Söhne“ sang die 27-jährige „Heimat bist du großer Söhne und Töchter„. Ein Affront!

Und völlig ohne Ressentiments gegen die Emanzipation wird es da Zeit, dass man etwas gegen diese Entwürdigung des Erbes von Paula von Preradovic, der Dichterin der Hymne, unternimmt. Was fällt der österreichischen Bundesregierung auch ein, an der eigenen Hymne rumzupfuschen, nur weil diese vielleicht nicht mehr „zeitgemäß“ ist. Immerhin geht es hier um die Interessen der Urheberin! Gut, die ist schon lange tot. Aber zumindest geht es um das Wohl ihrer Erben! Denn die müssen ja davon leben, dass bei jedem Fußballspiel tausende Fans ihre Hymne grölen. Und wer weiß, vielleicht kommt da auch bald jemand zum Kontrollieren, ob die alle richtig singen. So unwahrscheinlich ist das nicht, hat doch ein Rechtsanwalt nun sogar eine Unterlassungseklärung von Christina Stürmer und dem Unterrichtsministerium gefordert.

Man merke: Political correctnes hat da seine Grenzen, wo das Urheberrecht anfängt!

Warum haben wir so einen Skandal eigentlich nicht in Deutschland, fragt man sich da. Immerhit hat sich Sarah Connor schon mal öffentlich am „Lichte dieses Glanzes verbrüht“. Nun, das liegt daran, dass der Autor der Hymne, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1874 verstarb. Spätestens 70 Jahre nach dem Tod gehen dann die Urheberrechte an die Allgemeinheit über. Wie, da ist was auffällig? Ja, genau, das war 1944. Und ja, nur wenig später wurde unsere Hymne gekürzt auf die 3. Strophe des „Deutschlandliedes“. Was wäre wohl gewesen, wenn von Fallersleben 5 Jahre länger gelebt hätte? Wären Deutschlands Grenzen dann immer noch an Maas und Memel?

Gut, man könnte natürlich auch das Urheberrecht reformieren. Man könnte vielleicht mal darüber nachdenken, dass Nationalhymnen auch der Allgemeinheit „gehören“ sollten. Aber dann wäre man ja Pirat.

5 Kommentare

  1. 1

    „Und ja, nur wenig später wurde unsere Hymne gekürzt auf die 3. Strophe des “Deutschlandliedes”.“

    Dieser Satz ist so nicht ganz korrekt.

    Zwar war dies die ursprüngliche Absicht, aber die Bundesregierung unter Adenauer änderte Heuss‘ Formulierungsvorschlag dahingehend, das gesamte Lied als Nationalhymne anzuerkennen, aber bei staatlichen Anlässen nur die dritte Strophe zu singen. Heuss war darüber zwar wenig erfreut, fügte sich dem jedoch.

    Da wurde also nichts gekürzt und streng genommen war bis zur Wiedervereinigung das gesamte Lied die deutsche Hymne. Das änderte sich erst mit der Wiedervereinigung, als ausdrücklich nur die dritte Strophe zur Hymne erklärt wurde.

  2. 2

    Das ist soweit korrekt und vielleicht unglücklich formuliert. Die Frage ist auch: Was ist eine Hymne? Das, wie es definiert ist, oder das, was man tatsächlich singt? Deutschland, Deutschland über alles hat ja dann keiner mehr gesungen. Und es ändert ja nichts an der Tatsache, dass das Deutschlandlied dann immer „falsch“ gesungen wurde (umso interessanter, wenn das ganze Stück noch Hymne war). Und dass das bis 1944 gegen das Urheberrecht verstoßen hätte.

  3. 3

    Hätte es das? Berührt ein Lied nur teilweise zu singen, zu spielen oder aufzuführen das Urheberrecht gleichermaßen, wie es inhaltlich zu ändern?

  4. 4

    Naja, die deutsche Hymne ist das Deutschlandlied. Wir dann die deutsche Hymne gespielt, ohne dass ein Vermerk kommt, dass dies nur EINE Strophe dieser ist, so ist das prinzipiell eine Falschaussage. Hat da zusätzlich noch jemand die Urheberschaft, dann könnte das sicherlich juristisch interessant werden. Aber gut, wir sind hier ja nicht in Österreich…

  5. 5

    Schön geschrieben!
    Pointiert und zeigt die Absurdität des „aktuellen“ U-Rechts…

    Ihr solltet das mal als Empfehlung an das (vielgelesene) lawblog.de aka Udo Vetter weitergeben…

    (mini-Kritik: Euer Blog sollte im Fuss oder irgendwo immer direkt die spezifische CreativeCommons verlinken, das macht sowas wie weitergeben deutlich einfacher. Nur Hinweiss (cc) 2010 … usw macht’s complizierter…)