Smart City Duisburg Oder: Wie Digitalisierung an Schulen nicht funktioniert

Vor Ausbruch der Corona Pandemie befaßte sich der Ausschuß für Personal, Verwaltung und Digitalisierung letztmalig am 04.02.2020 mit der Digitalisierung der Duisburger Schulen. Hierzu legte die Verwaltung dem Ausschuß die Mitteilungsvorlagen 19-0535/1 Breitbandausbau an Duisburger Schulen (1) und 19-05353/2 Inhalt des Digitalpaktes / Umsetzung in Duisburger Schulen(2) vor.

Zuerst einmal bleibt festzustellen, dass die Verwaltung erneut zusammenhängende Sachverhalte auf verschiedene Ausschüsse bzw. verschiedene Sitzungen verteilt. Bei der sachlichen Güte der Vorlagen kann die Begründung eigentlich nur sein, hiermit unangenehme Fragen zu vermeiden. Die dem Ausschuß am 04.11.2019 vorgelegte

Drucksache 19-0535 Digitalisierung an Duisburger Schulen
Hier: 1. Zwischenbericht zur Medienentwicklungsplanung für Duisburger Schulen (3) gilt als Basisdokument für die beiden am 04.02.2020 vorgelegten Unterlagen.

Ist Zustand:

Die Stadt hat gemäß der Fördervorgaben kilometerlang Glasfaserkabel vergraben die an beiden Enden keine Endgeräte vorfinden. Selbst eine reine Anbindung der Schulen an das Internet konnte bisher nicht realisiert werden. Es ist die diffuse Idee das Schulnetzwerk in der Duisburger Smart City Allzweckwaffe „Rhinecloud“ zu betreiben. Betriebskonzept? Absicherung gegen Cyberattacken? Softwarelizenzkonzept? Übergang / Spiegelung des Internets? Nutzung durch Lehrer / Schüler durch externe Zugänge? FEHLANZEIGE!

Statt dessen hat jede Schule ein pädagogisches Digitalkonzept nach Vorgabe des Kultusministeriums vorzulegen um in einem weiteren Schritt vielleicht dann auch mit den dafür notwendigen Geräten ausgestattet zu werden. Wer nun erwartet das in einer der Vorlagen bei einer funktionierenden Verwaltung das Schulamt ein Musterkonzept beilegt, welches die Schulen an ihre Individuelle Situation adaptieren um damit dann ein den Förderungsvorgaben gemäßes Konzept vorlegen zu können, wird wie immer enttäuscht. Ohne Kenntnis der Antworten auf die im vorhergehenden Absatz gestellten Fragen ist ein wie auch immer geartetes Konzept nicht zu erarbeiten. Der Irrsinn wird jetzt noch dadurch potenziert, dass nicht fachkundiges Personal (Lehrer), mit einem erheblichen Zeitaufwand Konzepte erstellen werden die deshalb alle abgelehnt werden weil sie den Fördervorgaben nicht entsprechen.

Dieses freundlich einen nicht zielführenden Strategieansatz zu nennen bewahrt einen davor nicht jugendfreie oder Brehms Tierleben entlehnte Bezeichnungen für die beteiligten Charaktere verwenden zu müssen.

Eine brauchbare Strategie für einen ganzheitlichen Ansatz einer zukunftsfähigen Bildungslandschaft sieht aus Sicht der PIRATEN wie folgt aus:

Schritt 1:
Masterplan in die Mülltonne!

Schritt 2:
Die als Schulaufsicht und Schulträger verantwortlichen Stellen erarbeiten folgende Dokumente:

  • Allgemeingültiges Ausstattungskonzept Unterrichtsräume / Softwareausstattung
  • Förderungsfähiges Musterkonzept Schule
  • Aus- und Weiterbildungskonzept Lehr- und Verwaltungskräfte an Schulen
  • Priorisierte Umsetzungsplanung
  • Abgestimmter Fähigkeiten Katalog Rechenzentrum Clouddienste mit IT Sicherheitskonzept

Schritt 3:
Ausstattung der Schüler mit entsprechender IT

Schritt 1, die grundlegenden Mängel dieses so genannten Masterplans aufzuzählen wäre länger als der eigentliche Masterplan. Eine weitere Befassung mit ihm würde daher nur weiteren Zeitverzug bedeuten.

Schritt 2, Konzepte erstellen welche pädagogischen Maßnahmen man ergreifen will kann man erst dann, wenn man weiß welche Mittel einem zur Verfügung stehen. Daher ist dieser Schritt zwingend an den Anfang zu stellen und nicht erst an das Ende eines wie auch immer gearteten Digitalisierungsprozesses.

Schon die Stand-Alone Ausstattung der Unterrichtsräume mit Projektor und APC / Laptop für das Lehrpersonal würde unsere Schulen um Jahrzehnte nach vorne katapultieren!

Wenn die verfügbaren Mittel bekannt sind kann das Lehrkonzept an die jeweilige Schulform und die individuellen örtlichen Gegebenheiten angepasst werden ohne das die Hälfte der Lehrer sich erst als Autodidakten als Informatiker, Netzwerktechniker, IT Administratoren und IT Datenschutzexperten qualifizieren müssen um die oben angeführten Schritte überhaupt bearbeiten zu können.

Daher auch die zentrale Vorgabe welche Fähigkeiten durch das lehrende und verwaltende Personal beherrscht werden müssen um überhaupt damit unterrichten zu können. Daher ist das Personal dann auch selbstverständlich dahingehend schnellst möglich zu qualifizieren!

Eine Umsetzung macht nur dann Sinn, wenn der Regelbetrieb auch vollumfänglich aufgenommen werden kann. Daher macht nur eine konsequente 100% Ausstattung der Schulen in einem Schritt Sinn.

Sofern es auf der Ebene der Schulträger bleibt ist vorrangig die sichere Anbindung der Schulen an die Cloudserver sicherzustellen so wie die zuverlässige Bereitstellung aller Dienste und die Garantie der Datenintegrität. Bereits auf dieser Ebene sind daher die Vorgaben zu machen wie die Erreichbarkeit des Internets geregelt wird und ob und wie alle Beteiligten auch von zu Hause aus Zugriff auf das Schulintranet haben.

Hier ist anzuführen das aus hiesiger Sicht das Bundesland zentral für die Bereitstellung der Schulcloud verantwortlich sein sollte. Erst auf dieser Ebene sind wichtige Zentraldienste wie 24/7 Administration und Crisis Emergency Respond Team (CERT) finanzierbar vorzuhalten. Gleichzeitig wäre damit sichergestellt das ein Umzug in eine andere Kommune Schüler und Eltern nicht zwangsläufig vor große Probleme stellt.

Dann würden wir PIRATEN uns auch ein wenig Mut bei allen Beteiligten wünschen. Konsequent wäre die Ausgabe eines Laptops an jeden Fünftklässler. Hiermit wird garantiert, dass tatsächlich wieder so etwas wie Chancengleichheit in der Bildung ermöglicht wird. Wenn die Schulbuchbeiträge der Eltern hierfür aufgewendet würden und ergänzt werden durch die zu erwartenden Einsparungen bei der Schulbuchbeschaffung dürfte am Ende sogar eine signifikante Entlastung der kommunalen Haushalte damit zu erwirtschaften sein.

Das Sahnehäubchen wäre selbstverständlich eine abgestimmte Kooperation der Bundesländer und des Bundes beim Betrieb der entsprechenden Rechenzentren, so dass auch ein Umzug von Hamburg nach Bayern keine Nachteile für die Schüler oder auch Lehrer entstehen würden. Selbstverständlich gehört hierzu letztendlich auch eine Einbindung der Universitäten in dieses Bildungsnetzwerk. Mit einem Bereitstellungswerkzeug kann hier in einem weiteren Schritt auch endlich sichergestellt werden das die Ergebnisse der mit öffentlichen Geldern finanzierten Forschung zentral für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird.

So sieht aus Sicht der PIRATEN ein funktionierendes Konzept zur digitalen Bildung aus, welches bei stringenter Umsetzung Deutschland aus der Kreidezeit in das 21. Jahrhundert bringt!

Anlagen:

  1. DS 19-0535/1 Breitbandausbau an Duisburger Schulen
  2. DS 19-0525/2 Umsetzung Digitalpakt an Duisburger Schulen
  3. DS 19-0535 Medienplan Duisburg
  4. Niederschrift Sitzung APVD vom 04.02.2020

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